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Die Energiewende in Deutschland ist in vollem Gange. Der Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft meldet, dass der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung im Jahr 2017 auf 33,1 % nach 29 % im Vorjahr gestiegen ist. Doch nicht nur der produzierte Strom aus erneuerbaren Quellen steigt, auch die Kosten für Netzeingriffe sind auf Rekordniveau. Durch den starken Zubau der Erneuerbaren ist das Stromnetz starken Belastungen ausgesetzt und die Netzbetreiber müssen vermehrt eingreifen. Hier soll unter anderem die Digitalisierung des Netzes Abhilfe schaffen. Die Grundlage dafür ist die flächendeckende Installierung von Smart-Metern. Während andere Länder schon seit Jahren ein intelligentes und somit hocheffizientes Stromnetz besitzen, hat Deutschland diesen Schritt bisher noch nicht vollzogen. Doch was genau sind Smart-Meter und wann werden sie für uns Pflicht?

Wofür braucht man Smart-Meter?

Bisher war es üblich in etwa so viel Strom mit Kohle- und Atomkraftwerken zu erzeugen, wie auch verbraucht wurde. Ressourcen wie Sonne und Windkraft lassen sich allerdings nicht einfach an- und abschalten. Immer mehr wetterabhängige dezentrale Erzeuger (mehr zu Dez. Energieversorgung) sind an das Stromnetz angeschlossen und verursachen starke und oft schwer vorhersehbare Schwankungen. Diese Schwankungen müssen dann kostspielig ausgeglichen werden, um die Stabilität des Stromnetzes zu gewährleisten.

Eine Lösung für dieses System bietet ein intelligentes Stromnetz, das die Erzeugung und den Verbrauch von Strom effizient ausbalanciert. Dieses „Smart Grid“ benötigt dazu intelligente Stromzähler, die sogenannten Smart Meter. Sie können genaue Daten über Verbrauch und Erzeugung liefern und Anlagen so steuern, dass Stromschwankungen reduziert und besser ausgeglichen werden können. Auch für den Privatmann haben Smart Meter einige Vorteile. Unter anderem entfällt die lästige Ablesung des Stromzählers, da die Daten nun per Fernwartung vom Netzbetreiber ausgelesen werden können. Durch genaue Erfassung und die lückenlose Dokumentation, wird die Stromablesung außerdem wesentlich transparenter. Außerdem haben Pilotprojekte gezeigt, dass sich durch den Einsatz von Smart Metern der Stromverbrauch um 5-10 % reduzieren lässt.Der Netzbetreiber koordiniert die Stromerzeugung aus dezentraler und konventioneller Stromerzeugung sowie den Stromverbrauch durch Unternehmen und Haushalte. Hierbei können Smart-Meter einen erheblichen Mehrwert schaffen.

Wann werden Smart Meter in Deutschland Pflicht?

Mit dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende, das seit 2017 in Kraft ist, sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen bereits festgelegt. Danach sind Letztverbraucher mit einem Jahresstromverbrauch von über 10.000 kWh und Anlagenbetreiber mit einer installierten Leistung über 7 kWp verpflichtet einen Smart Meter (intelligente Messeinrichtung) zu installieren. Letztverbraucher mit einem Stromverbrauch von 6.000 – 10.000 kWh und Anlagenbetreiber mit einer installierten Leistung von mehr als 100 kWp werden dann ab 2020 schrittweise mit Smart Metern ausgestattet. Endverbraucher mit geringerem Stromverbrauch und kleinere Anlagenbetreiber müssen lediglich mit einem digitalen Stromzähler (moderne Messeinrichtung) ausgestattet werden.

Der Unterschied der beiden Messeinrichtungen liegt hierbei im Vorhandensein einer Kommunikationseinheit (Smart-Meter-Gateway) (siehe Grafik).  Die Ausstattung aller Messstellen muss dann bis spätestens 2032 erfolgen. Für die Koordination des Einbaus ist der grundzuständige Messstellenbetreiber verantwortlich. Bereits heute gibt es mehrere Stromanbieter 2.0 (mehr zu Strommarkt 2.0), die einen unabhängigen, intelligenten Messstellendienst anbieten.Das intelligente Messsystem (Smart Meter) setzt sich zusammen aus einer modernen Messeinrichtung (digitaler Stromzähler) und einem Smart-Meter-Gateway.

Laut Bundesnetzagentur findet aktuell noch kein flächendeckender Rollout statt. Bevor der verpflichtende Einbau stattfinden kann, müssen drei unabhängige Hersteller zertifizierte Endgeräte anbieten können. Dies ist momentan noch nicht der Fall. Grund dafür ist das hohe Sicherheitsniveau, das vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik für die Zertifizierung vorausgesetzt wird. Eine Liste mit Herstellern, die sich bereits in der Zertifizierung befinden, findest du hier.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Ähnlichen Fortschritt beim Smart-Meter Rollout hat unser Nachbarland Österreich bisher gemacht. Seine hochgesteckten Ziele konnte es bisher allerdings nicht erreichen. Ganz anders aber sieht es in den gegenwärtig führenden Smart-Meter-Märkten China, USA, Japan und Italien aus. Die Chinesen sind mit weitem Abstand führend bei den Smart Meter Installationen. Im vergangenen Jahr brachten sie es auf eine kumulativ installierte Anzahl von 496 Mio. Smart Metern. Auf Platz zwei kommen mit großem Abstand die Vereinigten Staaten mit 77 Mio. ausgestatteten Haushalten. Danach finden sich Japan und Italien mit jeweils ca. 37 Mio. installierten Smart Metern. Zu diesen Erfolgen aufschließen möchte auch Indien, dessen Regierung angekündigt hat 35 Mio. Haushalte bis 2019 mit Smart Metern ausstatten zu wollen. Allerdings sind die Erfahrungen anderer Länder nur bedingt mit der Lage in Deutschland vergleichbar, da die genutzten Geräte nicht den deutschen Anforderungen an Datenschutz und Funktionsumfang entsprechen.

Was erwartest du dir von den deutschen Smart-Metern?

 

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