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Erneuerbare Energien sind auf dem Vormarsch. Neuerdings auch auf Deutschlands Balkonen! So zum Beispiel bei Ludwig K. in Aubing, München. Ludwig wohnt in einer Mietswohnung mit Balkon auf der Südseite. Seit etwa einem Jahr steht auf diesem Balkon ein Photovoltaik-Modul mit etwa 1,5 m2 Fläche. Auf das Jahr gerechnet produziert das 300 Watt-Modell um die 220 Kilowattstunden (kWh) Strom. Damit kann Ludwig etwa 15 Prozent seines Stromverbrauchs selbst produzieren. Doch wie viel spart er damit wirklich? Wie steht es mit der Sicherheit der Balkonmodule und wie sieht es rechtlich aus?Ludwig K. auf seinem Balkon mit einem Photovoltaik Balkonmodul

Es war noch nie so einfach Solarstrom zu produzieren

Es gibt bereits einige Photovoltaik-Firmen, die Mini-Solarsysteme entwickelt haben, mit denen du unkompliziert Strom für den Eigenverbrauch produzieren kannst. Dafür benötigst du nicht mehr, als einen sonnigen Balkon oder eine Terrasse und ein PV-Modul mit integriertem Wechselrichter, der den produzierten Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt. Über eine normale Steckdose (Schuko-Stecker) wird das Modul dann an das Stromnetz des Haushalts angeschlossen und der produzierte Strom kann direkt verbraucht werden. So erhöhst du deinen persönlichen Autarkiegrad und musst weniger Strom aus dem Netz beziehen. Doch ist das auch erlaubt?

Wie ist die rechtliche Lage?

Explizit verboten sind die Ansteckmodule nicht, da die Zuständigkeit des Netzbetreibers an der Steckdose endet. Allerdings verstoßen sie gegen eine Norm des Verbandes der Elektrotechnik (VDE). Die Norm besagt, dass Anlagen, die Strom erzeugen, nicht an den Haushaltsstromkreis angeschlossen werden dürfen. Dies könne zu Überlastungen des Stromnetzes führen. Nach verschiedenen Untersuchungen der Deutschen Gesellschaft für Sonnenergie (DGS), Greenpeace Energy und anderer Forschungsinstitute, stellen Balkonmodule jedoch keine Gefahr da. Die Watt Leistung von solchen Solarmodulen ist bei weitem zu klein, um Überlastungen auszulösen. Basierend auf diesen Erkenntnissen hat der VDE im Oktober vergangenen Jahres die nationale Vornorm DIN VDE V 0100-551-1 veröffentlicht, die den Weg zur massenhaften Nutzung kleiner PV-Anlagen freimachen wird. Zusätzlich wird noch an einer Produktnorm gearbeitet, mit deren Veröffentlichung allerdings erst Anfang 2019 gerechnet wird.

Wie sicher sind Balkonmodule wirklich?

Gegner von Balkonmodulen bringen immer wieder potentielle Gefahren, wie zum Beispiel das Risiko eines elektrischen Schlags oder das Brandrisiko bei Überlastung der Leitung, ins Gespräch. Untersuchungen durch renommierte Forschungsinstitute haben aber gezeigt, dass von Stecker-Solar-Geräten bis 630 Watt PV-Leistung keine Gefahren ausgehen. Auch Laien können solche Minisolaranlagen folglich gefahrlos anschließen. Forscher der Universität Stuttgart verglichen die Sicherheit von Balkonmodulen mit der von Kohlekraftwerken und stellten fest, dass Balkonmodule fast zweitausend Mal sicherer für den Menschen sind als Kohlekraftwerke. Das ist ein Argument sowohl für den Einsatz von Balkonmodulen als auch für den Kohleausstieg!Ein Photovoltaikmodul mit einem Stromkabel und Schukostecker einfach anzuschließen auf dem Balkon oder der Terrasse.

Wie rentabel sind Balkonmodule?

Sicherheitsbedenken können also problemlos außen vor gelassen werden. Doch sind die Module für den Privatmann auch rentabel? Dies hängt im Wesentlichen nicht nur vom Anschaffungspreis ab, sondern auch von der Sonneneinstrahlung. Ungünstige Ausrichtung sowie Schatten von Bäumen und Häusern können die Leistung der Solarmodule beeinträchtigen. Auch die Entwicklung des Strompreises spielt eine Rolle bei der Kosten-Nutzen-Analyse. Abhängig von den äußeren Einflüssen sprechen die meisten Hersteller von sieben bis zehn Jahren, bis sich die Modelle amortisiert haben. Bei steigenden Strompreisen und fallenden Anschaffungskosten kann dies aber auch schneller gehen. Ludwig aus Aubing hat im vergangenen Jahr mit seinem Balkonmodul um die 220 kWh Strom produziert und 80 Prozent davon direkt verbraucht. Damit hat er circa 50 Euro gespart, da er weniger Strom aus dem Netz beziehen musste. Bei Anschaffungskosten von 450 Euro, hat Ludwig das Balkonmodul dann nach 9 Jahren refinanziert.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Die Energiewende ist nun auch in den kleinen Haushalten in Deutschland angekommen. Als Mieter oder Wohnungsbesitzer ist es nun auch möglich, sich dezentral mit Energie zu versorgen. Damit schonen sie nicht nur die Umwelt, sondern sparen auch bares Geld. Neben dem globalen Trend zum Microgrid, gewinnen auch Mini-Photovoltaik-Anlagen an Aufmerksamkeit. Dies zeichnet sich insbesondere in unseren Nachbarländern Österreich und der Schweiz ab, in denen die Nutzung von Stecker-Solar-Geräten schon länger unkompliziert möglich ist. Auch in Deutschland haben sich die Absatzzahlen für Balkonmodule bereits vervierfacht. Mach auch du den nächsten Schritt und versorge dich dezentral mit Energie!

 

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