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Auf vielen deutschen Häusern spiegelt sich das Sonnenlicht in den schwarzblauen Photovoltaikzellen, deren Besitzer tagtäglich Strom in das deutsche Netz einspeisen. Strom, für den es früher noch hohe Vergütungssätze gab. Strom, für den heutzutage dezentrale Produzenten jedoch weniger bekommen, als sie für den Bezug aus dem Netz bezahlen müssen. Da wäre es doch viel besser, den selbst produzierten Strom zu jeder Tages- und Nachtzeit nutzen zu können und dadurch weniger vom teuren Strom aus dem Netz beziehen zu müssen!

Dafür gibt es inzwischen Energiespeicher, die den überschüssigen Strom aus der Solaranlage speichern und wieder freigeben, sobald er im Haushalt gebraucht wird. Dadurch optimiert man seinen Eigenverbrauch, trägt zum Umweltschutz bei und spart auch noch Geld! Doch lohnt sich die Anschaffung eines Energiespeichers auch in deinem Fall oder bleibt der Speicher im Endeffekt doch ein Minusgeschäft?  Im Folgenden erfährst du alles, was du vor einem Speicherkauf in Betracht ziehen solltest.

Solarstrom und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

Im Zuge der EEG-Novelle von 2012 wurde vom Bund ein Richtungswechsel in der Vergütungspolitik für eingespeisten Solarstrom eingeleitet. Als die Einspeisevergütung eingeführt wurde, war sie als Investitionsanreiz zur Photovoltaik gedacht. Außerdem wollte man Strom aus erneuerbaren Energien, der ins öffentliche Netz eingespeist wurde, subventionieren. Mit der Umstrukturierung 2012 wurden neue Ziele festgelegt. Vorrangig sollte der Zubau von regenerativen Anlagen besser gesteuert und die Kosten für regenerative Stromerzeugung begrenzt werden. War es vorher noch üblich, den erzeugten Solarstrom komplett in das öffentliche Netz einzuspeisen, sollte man den Strom nun vorrangig selbst und vor Ort verbrauchen. Dementsprechend wurden die Einspeisetarife entsprechend abgesenkt. In Kombination mit dem steigenden Strompreis lohnt es sich zunehmend, möglichst viel des erzeugten Stroms selbst zu verbrauchen, um dementsprechend weniger teureren Strom aus dem Netz beziehen zu müssen. Bei einer Photovoltaikanlage liegt die Autarkiequote jedoch nur bei etwa 30 Prozent. Mit einem zusätzlichen Batteriespeicher lässt sie sich auf bis zu 70 Prozent erhöhen.Der Batteriespeicher ist im Erdgeschoss des Hauses installiert und mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach verbunden.

Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern

Lohnt sich ein Batteriespeicher für meinen Haushalt? Die Antwort auf diese Frage hängt von unterschiedlichen Faktoren ab.

Einspeisevergütung. Besitzer von Anlagen mit dem Baujahr 2011, erhalten aktuell immer noch 29 Cent pro eingespeister Kilowattstunde. Hier lohnt sich die komplette Einspeisung. Eigenverbrauch macht genauso wenig Sinn wie eine Batterie, da der produzierte Solarstrom mehr Wert ist als der Netzstrom. Anders sieht es bei älteren und neuern Anlagen aus. Neue Anlagen erhalten derzeit eine Einspeisevergütung von nur 12 Cent. Ende 2020 läuft außerdem die Förderung für Photovoltaik-Anlagen mit Baujahr 2000 und älter aus. Wenn die Besitzer diese Systeme weiter betreiben wollen, macht vor allem der Eigenverbrauch mit Hilfe eines Batteriespeichers Sinn.

Anschaffungskosten. Zweitens spielen natürlich auch die Anschaffungskosten eine große Rolle. Zwar sind Lithium-Ionen-Akkus momentan noch relativ kostenintensiv, aber die Preise für Speicherzellen fallen stetig. Bereits jetzt kann sich die Anschaffung eines Batteriespeichers lohnen. Bis Ende 2018 ist es außerdem noch möglich, einen Zuschuss vom Staat zu beantragen. Dafür muss der Speicher über einen Kredit bei der KfW Förderbank finanziert werden.

Umfeld. Andere Faktoren, wie Wirkungsgrad der Solaranlage, individueller Stromverbrauch und Strompreisentwicklung, können einen zusätzlichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit einer Speicherlösung haben. Zusätzlich müssen bei Gesamtlösungen auch mögliche Zusatzkosten oder Einsparungen durch Ergänzungsangebote wie Stromflatrates und Clouds beachtet werden. In diesem Punkt unterscheiden sich die Anbieter oft sehr stark.

Abbildung eines Batteriespeichers

Was man beim Kauf von Solarspeichern beachten sollte

Wer in einen Heimspeicher investieren möchte, der sollte sich vor dem Kauf gut informieren und einige Dinge beachten:

Größe. Die Kapazität des Batteriespeichers sollte wohl gewählt sein und sowohl zur installierten PV-Anlage als auch zum individuellen Strombedarf passen. Allerdings solltest du die Speichergröße auch in Abhängigkeit vom Anschaffungspreis beurteilen. Große Speicher kosten mehr als kleine. Hier findest du außerdem einen Rechner vom Bundesverband Solarwirtschaft zur Berechnung der perfekten Speichergröße.

Zyklenzahl. Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Lebensdauer des Speichers. Alle Batterien haben eine begrenzte Anzahl an Ladezyklen. Diese kann von Hersteller zu Hersteller stark abweichen. Ein Speicher sollte mindestens 20 Jahre in Betrieb sein und 4000 bis 5000 Vollladezyklen durchlaufen können. Du solltest auch darauf achten, dass der Installationsbetrieb den Speicher kostenlos nach Ende der Lebenszeit zurücknimmt und wiederverwertet.

Wirkungsgrad. Beim Kauf eines Batteriespeichers solltest du außerdem den Wirkungsgrad beachten. Er hängt ab von der Nennkapazität und der Entladetiefe. Diese geben an, wie viel von dem im Speicher geladenen Strom auch wirklich genutzt werden kann. Auch hier gibt es teils große Unterschiede. Ein Stromspeicher mit einer Nennkapazität von 5 Kilowattstunden und einer Entladetiefe von 90 Prozent, hat eine effektiv nutzbare Menge von 4,5 Kilowattstunden.

Anlagenpass und Garantie. Sobald der Speicher installiert ist, solltest du nicht vergessen dir vom Installateur einen Anlagenpass ausstellen zu lassen. Dort ist dokumentiert, wie die Anlage aufgebaut ist. Dies kann dir später bei Reparaturen oder Garantieansprüchen eine wertvolle Hilfe sein. Auch die Dauer der zusätzlichen Gerätegarantie, die unabhängig von der gesetzlichen Gewährleistung angeboten wird, sollte beim Vergleich von Herstellern miteinbezogen werden.

Ein Batteriespeicher ist auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung zu einer Photovoltaik-Anlage. Die großen Vorteile eines Speichersystems sind nicht nur mehr Kontrolle und Unabhängigkeit, sondern auch Einsparungen durch einen höheren Eigenverbrauch. Ob es sich wirtschaftlich gesehen jetzt schon lohnt, sich einen Speicher anzuschaffen oder ob lieber noch gewartet werden sollte, muss im Einzelfall entschieden werden. Bei steigenden Strompreisen und fallenden Batteriekosten rechnen Experten mit einer stark wachsenden Nachfrage nach Speichersystemen in den kommenden Jahren.

Wie sieht es bei dir aus? Verkaufst du noch oder speicherst du schon?

 

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